Komm doch zum Tee: Nachwort

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch, was wir nicht tun! Ob Laotse oder Molière, der Inhalt begleitet und stärkt unsere Gedanken und Entscheidungen.

WIR – unser buntes Netz ist die Gemeinsamkeit aus Kennenlernen unterschiedlicher Menschen, Lebensformen, Sprachen, Akzeptanz, um Hilfe bitten und geben, bei Schwierigkeiten und Erfolgen bis in den persönlichen Bereich Menschlichkeit zu zeigen.

In über fünf Jahren ist ein Netzwerk von Menschen mit Perspektiven entstanden, eine Vernetzung von Interessen, wobei viele Fragen zu Entscheidungen und Hilfen spontan mit Handys geklärt werden konnten. Viele kennen sich nun, Freude beim Wiedersehen...

Die Erkenntnis für uns alle: Es war richtig und wichtig, Einsatz zu zeigen und spüren zu lassen, dass nur mit Toleranz, etwas Neugier und Freundlichkeit ein gemeinsames Leben hier möglich ist.

Die daraus entstandenen Begebenheiten waren gleichzeitig die Motivation aller Beteiligten. Sie stärkte den Mut zu lernen, zu fragen, durchzuhalten, auch nach nicht bestandener Prüfung! Das Vertrauen wurde größer, vorsichtig gab es Einladungen, die geschenkten Tassen unserer Haushalte wurden wiedererkannt, das Lächeln wurde häufiger...

Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben, die sich mit der Zeit ergaben, es war zunächst nur an Sprach-Hilfe gedacht, brauchte ich Unterstützung. Das NUSZ, das mit Detlefs Initiative die ersten Kontakte mit Geflüchteten hatte, stellte sofort Räume und die Küche für bestimmte Zeiten zur Verfügung. Aus zwei Unterkünften kamen regelmäßig Syrer, Iraner und Iraker und wir erfuhren nicht nur die Schicksale, sondern auch die täglichen Probleme. Mit neuen Informationen konnten wir beraten, auch mit ihnen ins Lageso gehen, das damals völlig überlastet außer Kontrolle geriet. Jeder kannte die Zustände, mindestens aus dem Fernsehen, Realität war wie im Krimi!

Um als Geflüchtete durch das große Berlin zu finden, die Fahrtdauer zu erkennen, um immer pünktlich besonders in Ämtern zu sein, habe ich für die verschiedenen Gruppen Spaziergänge angeboten. Am Ende gab es einen Museumsbesuch. Bevor es „Multaka“ gab, Führung in arabischer Sprache, hat das NUSZ die Eintrittskarten bezahlt. Und am Abend gab es oft Gespräche über ihr Land, oft der einzige Trost, meist mit Hilflosigkeit in den Schlaf. Nun wusste ich mehr, hatte dann auch ein Smartphone.

Dass mir viel erzählt wurde, ergab sich aus unseren Aktivitäten:

Besichtigungen, Sternwarte, Planetarium, Berlinale, Musik, Museen, Fahrten zur Pfaueninsel, nach Potsdam, Babelsberg, später auch nach Dresden, Brandenburg, Niederfinow-Schleuse, Stralsund… Es wurde das Wetter erkundet, Bahn-Zeiten nur mit „Schönes-Wochenende-Ticket“, übersichtliche Treffpunkte = Organisation von mir. Bei 18 Personen sind Papier-Pläne und Inhalte der Orte wichtig. Im Zug gibt’s Infos, eigenes Essen und Trinken und Kostproben! Die Verbindungen vertiefen sich und helfen dabei „wir sind alle gleich“, wir kommen uns entgegen. Einige Male wurde ich von interessierten Fahrgästen angesprochen, wer wir sind. Sie staunten, wenn sie „Geflüchtete und Ehrenamtliche“ hörten, und freuen sich mit uns. Die Reaktion war immer positiv.

Andere Vernetzungen sind zum Babylon Orchestra, ein Syrer spielte dort. Ich war bei der Premiere so begeistert – in der ufaFabrik gab es schon drei Auftritte und jetzt die erste CD.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, kennen Sie einen kleinen Teil unseres bunten Netzes und nur mit ihm war es möglich, so viel zu leisten – ich staune selbst! Ist es nicht wunderbar, immer wieder Menschen zu finden – wie hier – die sich für Menschlichkeit einsetzen. Gemeinsam müssen wir damit überzeugen, nicht nachlassen, wir wollen es weitergeben an andere.

Alexandra Horn

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