Komm doch zum Tee: Wertvolles Familie-Gen: Helfen

Durch Ur-Großvater (Arzt) und Großvater (Arzt) war auch für mich ein Beruf mit medizinischem Aspekt der richtige Weg. Ein Beruf ist, wie so oft im Leben, mit zusätzlichen Aussichten möglich, auch der des Zahntechnikers.

Mit Zusatzausbildung zum Epithetiker ersetze ich bei minengeschädigten Gesichtern die Augen als prothetischen Arbeitsgang, andere Mediziner übernehmen den operativen Eingriff.

Auf dem Jahres-Kongress der internationalen Gesellschaft für chirurgische Prothetik und Epithetik, der alle zwei Jahre stattfindet, lernte ich Dr. Bassel Alsaeed kennen. Er ist Oralchirurg, auch Epithetiker und erzählte mir von seinem Projekt der Hilfe für syrische Geflüchtete in der Türkei.

An der südöstlichen Grenze Türkei-Syrien befinden sich die großen Flüchtlings-Camps. Auch die vielen Verletzten, auch Minengeschädigte, sind in Zelten untergebracht.

Die Frage meiner Mitarbeit war schnell geklärt, wobei zunächst nur für die Dauer von einer Woche. Das Ausmaß erkannte ich erst vor Ort.

Unser Start: Flug in die Türkei, Dr. Alsaeed, Material und ich als Epithetiker mit neuen Aufgaben ...

Vorgesehen waren 4-5 Patienten für diese eine Woche. Salah, ein neu eingestellter Zahntechniker vor Ort, sprach ein wenig Englisch, so konnten wir uns grundsätzlich verständigen, im Detail konnte Dr. Alsaeed übersetzen. Bei Ankunft bot sich eine gänzlich andere Situation: rund 20 Patienten, Kinder und Erwachsene. Wie viele können behandelt werden? Wer? Die Entscheidung war ebenso schwer! Sie kennen die technischen Abläufe nicht, das Arbeitsgerät ist spartanisch, es gibt kein Geld!

Hierfür stehen 6 Container bereit: Einer für OPs, die anderen für Ambulanz, Betten, Küche, Sanitäreinrichtung.

Syrische Ärzte aus aller Welt helfen hier und es sind ausschließlich Zivilisten! Sie alle haben ihre Geschichten, wir sehen nur die Grausamkeiten direkt – die Medien hier berichten viel, aber anders!

Die Grenzbefestigung der Türkei ist 300 m entfernt. Beim ersten Besuch hörten wir ein entferntes Grollen, beim zweiten Besuch war der Krieg laut vernehmbar, inzwischen nahe.

Meine Familie hat selbstverständlich meine Hilfsbereitschaft geteilt, sorgte sich aber zunehmend, obwohl ich nicht das ganze Ausmaß erzählte. Aber die Nachrichten rund um die Uhr reichten, um diese Einsätze vorerst zu beenden. Verständnis und Rücksicht gilt meiner Familie, aber auch für meine Firma und das Personal bin ich verantwortlich.

Da meine Einstellung bereits zu Beginn dieser Aktionen deutlich war – HILFE zur SELBSTHILFE – ist die Ausbildung dieser Fachleute vor Ort inzwischen angelaufen. Über die neuen Medien können neue Kollegen, z.T. auf syrischer Seite, ausgebildet werden. Die materielle Hilfe kann von uns geleistet werden; die notwendige Masse kann in der Türkei beschafft werden.

Der Verein ALKAWAKIBI e.V. lebt von Spenden und der ehrenamtlichen Mitarbeit.

Der kurze Ablauf für den Ersatz von Augen:

Meist durch Schussverletzung ist das Auge mit angrenzendem Gewebe/Knochen zu ersetzen. Es erfolgt ein Abdruck dieses Gesichtsteils (1 Tag), Silikonanpassung (3-4 Tage), Einsetzen des Auges aus Kunststoff (1 Tag). Dieses Auge wurde vorher passend zum vorhandenen Auge gefertigt und bemalt.

Salah, der unentbehrliche Helfer vor Ort, kommt aus Idlip/Aleppo und ist mit arabischer Sprache und den Lebensgewohnheiten dort vertraut. Der Umgang mit den Geflüchteten ist deshalb für alle Beteiligten einfacher.

Diese Mitarbeit hat mir mein Familien-Gen in voller Breite gezeigt. Verantwortliche Hilfe dort und hier wurde geplant und mit Risiken erlebt. Die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte kann auch ich von Berlin aus steuern, wie viele der Helfer überall.

Und sollte es an den Grenzen ruhig werden, könnte mich der Weg wieder an diesen Ort führen – meine Gedanken sind es oft ...

A. Velten

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